Zverevs Triumph auf rotem Mehl: Die unsichtbare Verfahrenstechnik hinter jedem Sandplatz

22.06.2026, Remscheid

Sigurd Schütz, RHEWUM GmbH

Was auf dem Sandplatz von Roland Garros wie Sand aussieht, ist gemahlener Ziegel und seine Qualität entscheidet sich in der präzisen Siebung.

Am 7. Juni 2026 ließ sich Alexander Zverev rücklings auf den roten Sand von Roland Garros fallen, die Hände vors Gesicht geschlagen. Mit dem Fünfsatzsieg über Flavio Cobolli gewann er seinen ersten Grand-Slam-Titel - als erster Deutscher seit Boris Becker 1996. Tags zuvor hatte bei den Damen die erst 19-jährige Mirra Andreeva triumphiert.Was bei aller Dramatik in Erinnerung bleibt, ist auch dieses Bild: der kontrollierte Rutsch in die Vorhand, die feine rote Staubwolke über der Grundlinie, der unverwechselbare Geruch nach gewässerter Asche. Wer einmal auf „Sand" gespielt hat, kennt ihn. Nur: Sand ist das keiner. Der Charakter dieses Belags entscheidet sich lange bevor der erste Ball fällt - in einer Produktion durch Brecher, Förderbänder und präzise Siebmaschinen.

Kein Strand, sondern gebrannter Ton

Was unter den Schuhen knirscht, ist gemahlener Ziegel. Tennismehl, auch Ziegelmehl oder Tennissand genannt, entsteht aus sortenreinem Bruch gebrannter Tonziegel - Dachpfannen, Klinker, Mauerziegel, oftmals Fehlchargen direkt aus der Ziegelindustrie. Bindemittel wie Kalk oder Zement kommen bewusst nicht hinein; die rote Decke hält allein durch die richtige Kornzusammensetzung. Hochwertiges Mehl mischt dabei Brennhärten: harter Dachziegelbruch für die Verschleißfestigkeit, ein Anteil weicheren Mauerziegels für Bindung und das leuchtende Rot. Allein deutsche Vereine verspielen rund 100.000 Tonnen Tennissand pro Jahr.

Vom Brocken zum Korn

Der Weg beginnt grob: Per Radlader wandert der Bruch in den Aufgabetrichter, weiter in den Brecher, der das Material bricht. Doch Brechen allein macht keinen bespielbaren Platz. Aus dem Brecher kommt ein wildes Gemisch aller Korngrößen. Erst die Klassierung - das Trennen nach Korngröße - macht aus dem Haufwerk ein definiertes Produkt. Und genau hier entscheidet sich, ob ein Platz bespielbar ist.

Warum die Körnung über alles entscheidet

Tennismehl wird nach DIN 18035-5 hergestellt, mit Gütesicherung nach RAL-GZ 515/1; übliche Endkörnungen sind 0/2 und 0/3 mm. Die Norm verlangt aber nicht nur eine Körnung, sondern eine ganze Korngrößenverteilung mit engen Toleranzen. Vereinfacht: Der Feinstanteil unter 0,06 mm bleibt begrenzt, der mittlere Feinkornbereich von 0,06 bis 0,70 mm dominiert das Tennismehl mit rund 40 Prozent Anteil, das gröbere Korn bleibt in der Minderheit.Von der Kornverteilung hängen Wasserdurchlässigkeit, Frostbeständigkeit, Verschleißfestigkeit und Scherfestigkeit unmittelbar ab. Zu viel Feinstkorn: Der Platz wird dicht und instabil. Zu viel Grobkorn: Optik und Scherfestigkeit leiden. Der saubere Rutsch des Spielers, das gleichmäßige Absprungverhalten, die nach dem Regen in Minuten versickerte Pfütze - all das ist das Ergebnis einer scharfen Trennung durch Siebbeläge von wenigen Zehntelmillimetern Maschenweite.

Tennismehl fein gesiebt

Die hohe Kunst der Feinsiebung

Ziegelmehl ist ein anspruchsvolles Aufgabegut: naturfeucht und hygroskopisch, also eigentlich klebrig. Feuchtigkeit verbindet sich mit Staub und Feinanteil zu Agglomeraten, die am Siebgewebe haften und es zusetzen, wenn die Maschine kein wirksames Selbstreinigungssystem hat. Steckkorn verschließt die feinen Maschen, der Trennschnitt verschiebt sich, das Produkt fällt aus der Norm. Faustregel für Praktiker: Je feuchter Rohstoff und Klima, desto schneller setzen sich die Siebmaschinen zu - und am schnellsten die feinsten Siebdecks. Im groben Bereich genügen robuste, einfache Vibrationssiebe: Zwei außenliegende Unwuchtmotoren versetzen die ganze Maschine in eine lineare Schwingung und tragen die grobe Trennung. Doch je feiner der Trennschnitt, desto weniger reicht es, das Gehäuse zu schütteln. Die entscheidende Beschleunigung muss dorthin, wo getrennt wird: direkt ins Siebgewebe.Genau das leistet die direkte Siebgewebeerregung. Außenliegende Magnetschwingköpfe übertragen eine hochfrequente Schwingung unmittelbar auf den Siebbelag, während das Gehäuse statisch bleibt; am Gewebe entstehen Beschleunigungen von bis zu 50 g, automatische, regelmäßige Abreinigungsimpulse befreien es von Steckkorn. Der Belag hält sich im laufenden Betrieb selbst frei - der Trennschnitt bleibt über Wochen exakt.In der RHEWUM-Baureihe RHEsono ist das konsequent umgesetzt; sie trennt präzise genau dort, wo die Qualität des Tennismehls entschieden wird. Wo es Platzprobleme gibt, verbindet die RHEsonox beide Welten - Linearschwingung und Gewebeerregung - auf geringer Bauhöhe und trennt von etwa 50 µm bis 6 mm. Weil nur das Gewebe schwingt, bleiben bewegte Masse, Energieverbrauch und dynamische Lasten gering, und das statische Gehäuse lässt sich staubdicht ausführen und an eine Entstaubung anschließen - bei lungengängigem Ziegelstaub eine Frage des Arbeitsschutzes.

THE SCIENCE OF SCREENING

Und hier liegt der eigentliche Punkt. Vor dem Sieb ist das Material wenig mehr als zerbrochener Ziegel, oft eine Fehlcharge ohne Wert. Nach dem Sieb ist es ein genormter, hochwertiger Baustoff, der auf tausenden Plätzen über die Spieleigenschaften entscheidet. Diese Verwandlung leistet die Trennung - die Siebung ist der wertschöpfende Prozessschritt.

RHEWUM kennt kaum jemand. Doch was unsere Maschinen sieben, steckt überall: im Putz an der Wand, im Dünger auf dem Feld, im Zucker auf dem Esstisch - und auch im roten Mehl unter den Füßen der Tennisspieler. Wir stehen nicht im Rampenlicht. Aber wir sind erfolgreich. Weil wir unsere Kunden erfolgreich machen. Der perfekte Sandplatz beginnt nicht auf der Tennisanlage. Er beginnt im Siebbelag.

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